Manuel Minor | Manuel Minor Manuel Minor und Jan Niklas Bär bei ihrem Informationsabend zum Thema Moderne Verwaltung und Künstliche Intelligenz
Rund 30 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung von Manuel Minor, Bürgermeisterkandidat für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau, zu einem Informationsabend über die Zukunft einer modernen, bürgernahen und leistungsfähigen Verwaltung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Verwaltungsprozesse zeitgemäß und attraktiv gestaltet, Bürgerinnen und Bürger besser unterstützt und die kommunale Ratsarbeit erleichtert werden können. Dabei wurde deutlich, dass Digitalisierung und der verantwortungsvolle Einsatz Künstlicher Intelligenz wichtige Bausteine einer modernen Verwaltung sind. Die Veranstaltung bot einen tiefen Einblick in die aktuellen Herausforderungen und die Chancen moderner Technologien und zeigte, wie stark das Thema die Menschen in der Region bewegt.
Minor, der beruflich als Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Rheinland-Pfalz tätig ist, eröffnete den Abend mit einer klaren Analyse der Situation in der Verbandsgemeindeverwaltung. Aus seiner Lehrtätigkeit erhält er regelmäßig Rückmeldungen von Studierenden und Führungskräften, die selbst in Verwaltungen arbeiten und berichten, wie schwierig es geworden ist, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten. Der demografische Wandel, der Wettbewerb mit der Privatwirtschaft und die zunehmende Komplexität der Aufgaben führen dazu, dass viele Verwaltungen an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Minor machte deutlich, dass die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau vor denselben Herausforderungen steht. Allein schon aufgrund der Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes müssen künftig auch hier deutlich mehr Verwaltungsleistungen zusätzlich elektronisch angeboten werden.
Minor betonte, dass nahezu alle Kommunen im Land vor denselben strukturellen Problemen stehen und dass viele Verwaltungsprozesse sehr ähnlich aufgebaut sind. Deshalb sei es wichtig, dass Kommunen stärker zusammenarbeiten und voneinander lernen, um die Digitalisierung effizienter voranzubringen. Der vielfach angekündigte Bürokratieabbau sei bislang kaum spürbar, weshalb die Belastung weiter steige. Digitalisierung sei daher keine Option für später, sondern eine Voraussetzung dafür, dass kommunale Aufgaben überhaupt noch erfüllt werden können. Als positives Beispiel aus der Region nannte Minor die Verbandsgemeinde Diez, die bereits KI für Bürgeranfragen am Telefon einsetzt. Davon profitieren auch Menschen, die bislang nur wenige Berührungspunkte mit digitalen Angeboten oder Künstlicher Intelligenz haben, da sie unkompliziert und verständlich Zugang zu Informationen erhalten. Dies zeige, dass moderne Lösungen machbar und praxistauglich seien.
Im Anschluss ging Minor auf die rechtlichen Rahmenbedingungen ein, die beim Einsatz von künstlicher Intelligenz zwingend beachtet werden müssen. Er erläuterte Fragen des Datenschutzes, der Verantwortlichkeit und der Transparenz.
Im weiteren Verlauf des Abends ergänzte Jan Bär, der seit 2009 in verschiedenen kommunalen Gremien tätig ist und beruflich Erfahrung in der Digitalisierung von Prozessen in einer großen Verwaltung gesammelt hat, die fachliche Perspektive aus der Ratsarbeit. Bär erläuterte, dass Digitalisierung nur dann gelingt, wenn Prozesse zuvor richtig erfasst, modelliert und optimiert werden. Erst auf dieser Grundlage lassen sich IT‑Lösungen entwickeln, die zuverlässig funktionieren und die Arbeit tatsächlich erleichtern.
Bär zeigte anschließend ein praktisches Beispiel aus dem Abend selbst. Während des Vortrags von Manuel Minor ließ er den gesamten Redebeitrag live transkribieren und unmittelbar zusammenfassen. Die automatische Erstellung eines Protokolls verdeutlichte, wie KI heute bereits eingesetzt werden kann und wie schnell Inhalte strukturiert zur Verfügung stehen. Dies machte deutlich, welches Potenzial moderne Werkzeuge bieten und wie sehr sie die tägliche Arbeit von Ehrenamtlern und Verwaltungsmitarbeitenden entlasten könnten.
Im Anschluss spielte Bär eine typische Sitzungsvorbereitung durch und zeigte, wie KI umfangreiche Vorlagen mit mehreren Anlagen analysieren und verständlich zusammenfassen kann. Die automatische Aufbereitung komplexer Inhalte erleichtert Ratsmitgliedern die Vorbereitung erheblich und schafft Zeit für die eigentliche Bewertung politischer Entscheidungen. Ergänzend stellte er ein digitales Werkzeug vor, das kollaboratives Arbeiten ermöglicht und mit dem sich Notizen und Dokumente innerhalb einer Fraktion oder eines Gremiums gemeinsam bearbeiten lassen. Bär machte deutlich, dass solche Formen der Zusammenarbeit weit über das hinausgehen, was derzeit in der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau als Digitalisierung verstanden wird. Das Sitzungsmanagementsystem, das die Verwaltung seit einiger Zeit nutzt, ersetze zwar den Postversand von Unterlagen, ermögliche aber keine echte gemeinsame digitale Vorbereitung.
Die sehr interessierten Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit zu einem intensiven Austausch über die Zukunftsfähigkeit der Verwaltung und die Rolle digitaler Werkzeuge im kommunalen Alltag. Die Diskussion zeigte, dass hohe Erwartungen an eine modernere Verwaltung bestehen und dass Digitalisierung nicht nur ein technisches Thema ist, sondern ein gesellschaftliches. Künstliche Intelligenz kann helfen, Rückstände aufzuholen, Prozesse zu vereinfachen und Ratsarbeit effizienter zu gestalten. Gleichzeitig bleiben Transparenz und Menschlichkeit zentrale Werte. Zum Abschluss wurde deutlich, dass die Modernisierung der Verwaltung eine gemeinsame Aufgabe von Verwaltungsleitung und Politik ist.
„Eine modernere Verwaltung ist notwendig , um den Menschen in der Verbandsgemeinde auch in Zukunft verlässliche, schnelle und verständliche Dienstleistungen anbieten zu können“, so Minor. Er erklärte, dass er sich dafür einsetzen werde, dass die Verbandsgemeinde diesen Weg konsequent beschreitet und die Digitalisierung zielgerichtet voranbringt.