Manuel Minor | Manuel Minor Alters Vömel-Haus in Bad Ems
Bei der Bürgermeisterkandidaten-Podiumsdiskussion am Montag hat der überparteiliche Bürgermeisterkandidat Manuel Minor vorgeschlagen, ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau aufzubauen. Nachdem der Vorschlag seitdem rege diskutiert wird, erläutert Minor seine Überlegungen nun näher. Als Vorbild nennt er das bereits erfolgreich arbeitende MVZ Gesundheitszentrum im Einrich der Verbandsgemeinde Aar-Einrich.
„Wir müssen nicht jedes gute Konzept selbst neu erfinden. Wenn eine Nachbarkommune ein Modell erfolgreich entwickelt hat, sollten wir daraus lernen und prüfen, was wir auf unsere Verbandsgemeinde übertragen können“, erklärt Minor.
Gesundheitsregion erhalten und weiterentwickeln
Bad Ems und Nassau verfügen über eine lange medizinische Tradition und eine gewachsene Gesundheitslandschaft mit Reha- und weiteren Gesundheitseinrichtungen. Diese Strukturen müssten erhalten und gemeinsam weiterentwickelt werden.
Dabei gehe es sowohl um eine gute Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte als auch um eine verlässliche stationäre Akutversorgung in der Region. Gerade die Reha-Kliniken seien wichtige Bausteine der Gesundheitslandschaft und zugleich bedeutende Arbeitgeber. Ihre Anbindung an stationäre Versorgungsstrukturen müsse gemeinsam mit Kreis, Land und Trägern weiterentwickelt werden.
„Wir müssen Gesundheitsversorgung als Ganzes betrachten: ambulante Versorgung, Reha und stationäre Angebote gehören zusammen“, so Minor.
Ärztemangel frühzeitig begegnen
Besonders groß seien die Herausforderungen bei der hausärztlichen Versorgung. Viele Praxen arbeiteten bereits heute an ihrer Belastungsgrenze. Zugleich steige durch den demografischen Wandel der Versorgungsbedarf.
Hinzu komme die Altersstruktur der Ärzteschaft: Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz sind bereits 36 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten 60 Jahre oder älter, bei den Hausärzten sogar 43 Prozent. Gleichzeitig bevorzugten viele junge Mediziner heute Anstellungsverhältnisse, Teilzeitmodelle und geregeltere Arbeitszeiten gegenüber dem wirtschaftlichen Risiko einer eigenen Praxis.
Minor hat hierzu bereits intensive Fachgespräche mit Ärzten aus der Region geführt, unter anderem mit Frau Doktor Hildegard Simons, Vorsitzende des Bad Emser Ärztekollegiums. „Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn eine Praxis geschlossen ist. Wir müssen rechtzeitig Strukturen schaffen, die Nachfolge ermöglichen und Kassensitze in unserer Region halten“, betont Minor.
VG Aar-Einrich zeigt, wie es funktionieren kann
Private MVZ bieten zwar ebenfalls Vorteile wie Anstellung, Teilzeit und ein geringeres wirtschaftliches Risiko. Sie unterliegen jedoch privatwirtschaftlichen Renditezielen. Bei einem kommunalen MVZ steht dagegen die langfristige Sicherung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im Mittelpunkt.
Dass dies funktionieren kann, zeigt für Minor das kommunale Gesundheitszentrum der Verbandsgemeinde Aar-Einrich: Dort profitieren Ärzte von einer professionellen Verwaltung, flexiblen Arbeitszeitmodellen und der Zusammenarbeit mit Kollegen, ohne selbst das wirtschaftliche Risiko einer Praxis tragen zu müssen.
Das Vorbild der VG Aar-Einrich zeigt zudem, wie kommunale Verantwortung und professioneller Betrieb miteinander verbunden werden könnten: Das dortige Gesundheitszentrum wird als eigenständige Anstalt des öffentlichen Rechts geführt. Damit bleibt die strategische Verantwortung bei der Verbandsgemeinde, während das medizinische Zentrum organisatorisch und wirtschaftlich eigenständig arbeiten kann.
Auch wirtschaftlich scheint das Modell interessant: Der Jahresabschluss 2024 weist zwar einen rechnerischen Fehlbetrag von rund 34.000 Euro aus, davon wirkten sich jedoch lediglich rd. 12.000 Euro tatsächlich auf die Liquidität aus.
„Das Beispiel der VG Aar-Einrich zeigt: Kommunale Trägerschaft kann funktionieren. Eine Verbandsgemeinde kann Verantwortung übernehmen und die ärztliche Versorgung aktiv mitgestalten. Gute Ideen darf man sich auch bei den Nachbarn abschauen.“
Generationenwechsel organisieren
Für die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau könnte ein kommunales MVZ insbesondere den Übergang von älteren zu jüngeren Ärzten erleichtern. Erfahrene Hausärzte könnten ihre Kassenzulassung in das MVZ einbringen und dort zunächst angestellt weiterarbeiten. Gleichzeitig könnten sie ihr Wissen an jüngere Kollegen weitergeben und – bei entsprechender Weiterbildungsbefugnis – angehende Hausärzte ausbilden.
So ließe sich ein fließender Generationenwechsel organisieren und verhindern, dass Kassensitze mit dem Ruhestand eines Arztes verloren gehen.
Vömel-Haus in Bad Ems als möglicher Standort
Als möglichen Standort bringt Minor das leerstehende ehemalige Vömel-Haus in Bad Ems ins Gespräch. Ob das Gebäude geeignet sei, müsse zunächst fachlich, baulich und wirtschaftlich geprüft werden. Auch Fördermöglichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung und des Landes seien einzubeziehen.
Langfristig könne sich ein solches MVZ zu einem Gesundheitszentrum entwickeln, in dem neben Hausärzten beispielsweise Fach- und Kinderärzte, Physiotherapie, Ergotherapie, Hebammen, Pflege, Telemedizin und Präventionsangebote miteinander vernetzt werden.
„Ich verspreche kein fertiges MVZ am Tag nach der Wahl. Ich verspreche aber, dass ich mich im Falle meiner Wahl dafür einsetzen werde, dieses erfolgreiche Modell ernsthaft zu prüfen und gemeinsam mit Ärzteschaft, Kassenärztlicher Vereinigung, Kreis, Land und weiteren Partnern voranzutreiben. Die medizinische Versorgung ist für mich ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Wir müssen heute handeln, damit die Menschen auch in zehn oder zwanzig Jahren noch wohnortnah und verlässlich medizinisch versorgt werden“, so Minor.